Donnerstag, September 10

Alfred Tacke: Politiker, Manager & Vater

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Alfred Tacke: Der Mann hinter den Kulissen der Schröder-Ära

Alfred Tacke, geboren am 13. Juli 1951 in Celle, ist promovierter Wirtschaftswissenschaftler, SPD-Politiker und erfahrener Energie-Manager. Wer nach ihm sucht, stößt auf eine der einflussreichsten, aber öffentlich wenig bekannten Figuren der deutschen Wirtschaftspolitik der späten 1990er und frühen 2000er Jahre – ein Architekt im Maschinenraum der Berliner Republik.

Herkunft und akademische Grundlage

Tacke wuchs mit zwei Geschwistern auf, sein Vater war Maschinenbauingenieur und Geschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens. Ein solides, bodenständiges niedersächsisches Fundament – weit entfernt vom Politikadel großer Dynastien. Toolforge

Nach dem Abitur 1971 studierte er Wirtschaftswissenschaften an den Universitäten Freiburg und der Freien Universität Berlin, bevor er 1982 an der Universität Oldenburg mit einer Arbeit über die deutsche Werftindustrie zum Dr. rer. pol. promovierte. Seine akademische Karriere begann er anschließend als Hochschulassistent in Oldenburg – ein Weg, der damals noch keinen Hinweis auf das gab, was folgen sollte.

Ab 1987 wechselte er zum DGB-Landesbund in Hannover, wo er als Referent für Wirtschafts- und Umweltpolitik arbeitete. Gewerkschaftsnähe und wirtschaftspolitisches Handwerk – diese Kombination sollte seinen späteren Aufstieg maßgeblich prägen.

Alfred Tacke und Gerhard Schröder: Eine Karriere im Windschatten der Macht

1990 holte der frisch gewählte niedersächsische Ministerpräsident Gerhard Schröder den Gewerkschaftsfunktionär als Referatsleiter für Wirtschafts- und Strukturpolitik in die Staatskanzlei. Damit begann eine politische Partnerschaft, die über anderthalb Jahrzehnte halten sollte.

Von 1991 bis 1998 war Tacke Staatssekretär im niedersächsischen Wirtschaftsministerium. Als Schröder 1998 Bundeskanzler wurde, folgte ihm sein langjähriger Vertrauter nach Berlin.

Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium

Von 1998 bis 2004 war Alfred Tacke Staatssekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Arbeit – parallel dazu von 2000 bis 2004 Persönlicher Beauftragter des Bundeskanzlers zur Vorbereitung der Weltwirtschaftsgipfel (G8).

Das ist keine Nebenrolle. Als G8-Beauftragter koordinierte er die deutsche Position auf dem globalen wirtschaftspolitischen Parkett – eine Aufgabe, die höchste diplomatische Sensibilität und tiefes wirtschaftliches Fachwissen erforderte. Tacke saß an jenem Tisch, an dem die Leitplanken der internationalen Wirtschaftsordnung abgesteckt wurden.

Während dieser Zeit war er auch maßgeblich an den großen industriepolitischen Weichenstellungen der Ära Schröder beteiligt: von der Energiepolitik über die Strukturreformen bis hin zu den Debatten um die Zukunft des deutschen Industriestandorts. Sein Name tauchte intern auf, wenn es um harte Entscheidungen zwischen wirtschaftlichen Interessen und politischen Zielen ging.

StationZeitraumFunktion
Staatskanzlei Niedersachsen1990–1991Referatsleiter Wirtschafts-/Strukturpolitik
Niedersächsisches Wirtschaftsministerium1991–1998Staatssekretär
Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit1998–2004Staatssekretär
G8-Beauftragter des Bundeskanzlers2000–2004Persönlicher Beauftragter

Vom Staatsapparat in die Energiewirtschaft

Nach dem Ende der Ära Schröder 2004 vollzog Tacke den Wechsel, den viele politische Schwergewichte seiner Generation gingen – hinüber in die Privatwirtschaft. Und er tat es in einer Branche, die er aus Jahren wirtschaftspolitischer Arbeit in- und auswendig kannte: der Energiewirtschaft.

Im Dezember 2004 wurde er Vorstandsmitglied der Steag AG; von 2005 bis 2006 fungierte er als deren Vorstandsvorsitzender. Von 2007 bis 2008 leitete er als Vorsitzender der Geschäftsführung die Steag GmbH, die im September 2007 in Evonik Steag GmbH umbenannt wurde.

Parallel dazu war er von 2006 bis 2008 Mitglied des Vorstands der RAG Beteiligungs-AG, die im September 2007 in Evonik Industries AG umbenannt wurde.

Steag und Evonik: Führungsverantwortung im Konzern

Die Steag AG war zu dieser Zeit einer der größten deutschen Stromproduzenten – ein Unternehmen mit Milliardenumsätzen, komplexen internationalen Beteiligungen und einem Mitarbeiterstamm, der von Konzernentscheidungen direkt abhing. Tacke führte dieses Unternehmen in einer Phase tiefgreifender Umstrukturierung, als der Kohlekonzern RAG zum Vorläufer des heutigen Spezialchemiekonzerns Evonik Industries wurde.

Die Frage, ob ein ehemaliger Staatssekretär den Sprung an die Konzernspitze verdient oder ob er dort primär sein politisches Netzwerk monetarisiert, wurde damals – wie bei ähnlichen Wechseln – öffentlich diskutiert. Tacke hielt sich aus diesen Debatten heraus und arbeitete.

KPMG, Air Berlin und die Jahre danach

Von Oktober 2010 bis Oktober 2013 war er Mitglied des Public Interest Committee der KPMG Europe – ein Gremium, das die Unabhängigkeit und den öffentlichen Nutzen der europäischen Wirtschaftsprüfungsaktivitäten der KPMG überwachen soll. Auch das eine Rolle, die auf Vertrauen und Netzwerk baut.

Ab März 2015 verstärkte Dr. Alfred Tacke das Board of Directors der Air Berlin PLC. Der Air-Berlin-Chairman Hans-Joachim Körber bezeichnete seinen Eintritt damals als Gewinn für die branchenübergreifende Expertise des Gremiums. Das Insolvenzverfahren über Air Berlin wurde 2017 eröffnet – eines der spektakulärsten Airline-Insolvenzen der deutschen Wirtschaftsgeschichte.

Sarah Tacke: Die bekanntere Trägerin des Namens

Wer heute nach Alfred Tacke googelt, landet nicht selten auch bei seiner Tochter. Sarah Tacke gehört zu den bekanntesten Journalistinnen des ZDF und berichtet regelmäßig über juristische, politische und gesellschaftliche Themen.

Die Vater-Tochter-Verbindung ist biographisch interessant: Ein politischer Insider der Schröder-Ära, dessen Tochter heute als kritische Journalistin vor der Kamera steht und genau jene politischen Prozesse begleitet, in denen er selbst einst aktiv war. Ob und wie stark das familiäre Umfeld ihre journalistische Sozialisation geprägt hat, bleibt Spekulation – aber die Parallelen sind unübersehbar.

Ein Karrierebogen zwischen Gewerkschaft, Politik und Konzern

Was Alfred Tackes Laufbahn von vielen anderen unterscheidet, ist die konsequente Linie: Keine Parteikarriere im klassischen Sinne, keine Bundestagsmandate, keine öffentlichen Auftritte als Redner oder Talkshow-Gast. Stattdessen Arbeit im Hintergrund, nahe an den Entscheidungszentren, aber selten im Rampenlicht.

Sein Karrieremuster lässt sich in drei klar abgegrenzte Phasen lesen:

  • Akademisch-gewerkschaftliche Phase (1976–1990): Wissenschaft, Promotion, DGB-Arbeit
  • Politisch-administrative Phase (1990–2004): Staatssekretär in Hannover und Berlin, G8-Beauftragter
  • Wirtschaftliche Phase (ab 2004): Steag, Evonik, KPMG, Air Berlin

Jede dieser Phasen hat die nächste vorbereitet. Das ist kein Zufall, sondern das Ergebnis einer Karrierestrategie, die auf Netzwerkpflege, Fachkompetenz und institutionelles Vertrauen setzt – Qualitäten, die in der deutschen Wirtschaftspolitik nach wie vor mehr zählen als mediale Sichtbarkeit.

Häufig gestellte Fragen (FAQs)

Wer ist Alfred Tacke?
Alfred Tacke, geboren am 13. Juli 1951 in Celle, ist ein deutscher SPD-Politiker, promovierter Wirtschaftswissenschaftler und ehemaliger Manager. Er war von 1998 bis 2004 Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit unter Bundeskanzler Gerhard Schröder und anschließend Vorstandsvorsitzender der Steag AG (später Evonik Industries).

Was hat Alfred Tacke politisch bewirkt?
Als Staatssekretär im Bundeswirtschaftsministerium war Tacke an zentralen industrie- und energiepolitischen Entscheidungen der Ära Schröder beteiligt. Zudem vertrat er Deutschland als Persönlicher Beauftragter des Bundeskanzlers bei der Vorbereitung der G8-Weltwirtschaftsgipfel von 2000 bis 2004.

Ist Sarah Tacke die Tochter von Alfred Tacke?
Ja. Die bekannte ZDF-Journalistin Sarah Tacke ist die Tochter von Alfred Tacke. Sarah Tacke berichtet beim ZDF regelmäßig über Rechts-, Politik- und Gesellschaftsthemen und hat sich als eine der profiliertesten Journalistinnen des Senders etabliert.

Was machte Alfred Tacke nach seiner politischen Karriere?
Nach seinem Ausscheiden aus dem Bundeswirtschaftsministerium 2004 wechselte er als Vorstandsmitglied zur Steag AG, deren CEO er bis 2008 war. Danach war er im Public Interest Committee der KPMG Europe tätig und ab 2015 im Board of Directors der Air Berlin PLC, bis die Airline 2017 Insolvenz anmeldete.

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