Christina Block, Erbin der Steakhauskette Block House, steht seit Juli 2025 vor dem Landgericht Hamburg vor Gericht. Der Vorwurf: Sie habe die gewaltsame, grenzüberschreitende Entführung ihrer beiden jüngsten Kinder aus Dänemark bei einer israelischen Sicherheitsfirma in Auftrag gegeben. Bei einem Schuldspruch drohen ihr bis zu zehn Jahre Haft – ein Urteil steht auch ein Jahr nach Prozessbeginn noch aus.
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Der Fall Christina Block: Vom Sorgerechtsstreit zum Strafprozess
Kaum ein Gerichtsverfahren hat Hamburg in den vergangenen Monaten so beschäftigt wie dieses. Die heute 53-Jährige sitzt gemeinsam mit mehreren Mitangeklagten auf der Anklagebank – darunter ihr Lebenspartner, der frühere Sportmoderator Gerhard Delling, der langjährige Familienanwalt der Blocks, eine Cousine samt Ehemann sowie der Chef einer israelischen Sicherheitsfirma. Verhandelt wird in einem Saal, der eigentlich für Terrorprozesse reserviert ist – ein Hinweis auf die Brisanz der Personen, die dort aussagen mussten.
Wer ist Christina Block?
Geboren am 4. Mai 1973 in Hamburg, ist sie die Tochter von Eugen Block, dem Gründer der Steakhauskette Block House. Über Jahrzehnte war die Marke mit Klassikern wie dem „Block Burger“ und Filet Mignon eine feste Größe in deutschen Innenstädten. Bekannt wurde die Unternehmerin selbst jedoch nicht durch die Gastronomie, sondern durch einen öffentlich ausgetragenen, erbitterten Sorgerechtsstreit mit ihrem Ex-Mann Stephan Hensel.
Die Vorgeschichte: Ein eskalierter Sorgerechtsstreit
Der Konflikt reicht bis ins Jahr 2021 zurück. Nach einem Besuchswochenende in Dänemark behielt Hensel die beiden jüngeren Kinder bei sich – die Kinder hätten selbst erklärt, nicht zur Mutter nach Hamburg zurückkehren zu wollen. Hensel wirft ihr häusliche Gewalt gegenüber den Kindern vor; Block bestreitet das vehement. Das Hanseatische Oberlandesgericht sprach ihr wenig später das alleinige Aufenthaltsbestimmungsrecht zu, doch der Vater brachte die Kinder nicht zurück.
Ein dänisches Familiengericht entschied im Februar 2023 in die entgegengesetzte Richtung: Die Kinder wurden dem Vater zugesprochen, Block sollen lediglich alle zwei Wochen begleitete Besuche zugestanden worden sein. Später wies das höchste dänische Gericht ihre Berufung endgültig zurück – nach dänischem Recht dürfen bereits Zehnjährige selbst entscheiden, ob sie Kontakt wollen. Bis zur Volljährigkeit bleibt ihr der Umgang mit einem Teil ihrer Kinder damit verwehrt.
Die Nacht, um die sich der Prozess dreht
Im Zentrum der Anklage steht die Silvesternacht 2023/24. Im dänischen Hafenort Gråsten sollen die beiden jüngsten Kinder von den Tätern gewaltsam in ein Auto gezerrt worden sein. Ein 34-jähriger Augenzeuge berichtete vor Gericht, ein Kind habe sich heftig gewehrt; er sei „schockiert“ gewesen. Die Kinder wurden den Ermittlungen zufolge zunächst auf einen Bauernhof im Enzkreis bei Pforzheim gebracht, bevor Block sie nach eigener Aussage zu sich nach Hamburg holte. Gegen die dortige Familie, die Unterschlupf gewährt und beim Kauf eines Wohnmobils geholfen haben soll, laufen inzwischen erneut Ermittlungen.
Der Prozess vor dem Landgericht Hamburg
Die Anklage stützt sich auf mehrere Straftatbestände gleichzeitig:
| Vorwurf | Rechtsgrundlage | Betrifft |
|---|---|---|
| Schwere Kindesentziehung | § 235 StGB | Christina Block (Hauptangeklagte) |
| Schwere Misshandlung Schutzbefohlener | § 225 StGB | Mitangeklagte |
| Beihilfe zur Entführung | § 235 i.V.m. § 27 StGB | Gerhard Delling |
| Freiheitsentziehung | § 239 StGB | Sicherheitsfirma, Ausführende |
Besonders heikel: Unter den Mitangeklagten sollen sich ehemalige israelische Geheimdienstmitarbeiter befinden. Wegen möglicher Berührungspunkte mit deutsch-israelischen Sicherheitsinteressen hat das Gericht Teile der Verhandlung – etwa die Schlussplädoyers – bereits unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführt.
Aktueller Stand: Kein Urteil trotz über 30 Verhandlungstagen
Mehr als ein Jahr nach Prozessbeginn liegt noch kein Urteil vor. Über 30 Verhandlungstage sind bereits vergangen, weitere Zeugenvernehmungen – darunter die einer engen Vertrauten, die im Prozess unter dem Namen „Olga“ auftauchte – ziehen sich bis in den Sommer 2026. Auch juristisch bleibt die Sache für die Unternehmerin angespannt: Erst kürzlich wurde bekannt, dass eines ihrer eigenen Kinder nun Unterhaltsforderungen gegen sie geltend macht – ein zusätzlicher Gerichtsstreit, der parallel zum Strafverfahren droht.
Für die Steakhaus-Erbin geht es damit um weit mehr als nur das laufende Strafverfahren: Selbst ein Freispruch würde den familiären Bruch mit einem Teil ihrer Kinder kaum heilen, das dänische Sorgerechtsurteil bleibt davon unberührt.
Häufig gestellte Fragen (FAQs)
Was wird Christina Block konkret vorgeworfen?
Ihr wird vorgeworfen, die gewaltsame Entführung ihrer beiden jüngsten Kinder aus Dänemark bei einer Sicherheitsfirma in Auftrag gegeben zu haben, um sie ihrem Ex-Mann zu entziehen.
Welche Strafe droht Christina Block bei einer Verurteilung?
Bei einem Schuldspruch wegen schwerer Kindesentziehung drohen ihr bis zu zehn Jahre Freiheitsstrafe.
Warum wird im Block-Prozess teilweise die Öffentlichkeit ausgeschlossen?
Weil Zeugenaussagen Berührungspunkte mit sensiblen deutsch-israelischen Sicherheitsinteressen aufweisen, hat das Landgericht Hamburg Teile der Verhandlung unter Ausschluss der Öffentlichkeit geführt.
Wer ist Gerhard Delling und welche Rolle spielt er im Fall Christina Block?
Gerhard Delling ist ehemaliger TV-Sportmoderator und seit 2021 Lebenspartner von Christina Block. Ihm wird Beihilfe zur Entführung vorgeworfen.
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